Was macht eigentlich…

Medien

Was macht eigentlich…

…Thomas Borer, Ex-Botschafter Es ist nicht immer einfach, Thomas Borer zu sein. Unweigerlich denkt man bei dem Namen an den Skandal zurück, der ihn, damals jüngster Botschafter der Schweiz, dazu brachte, nur drei Jahre nach seiner Entsendung nach Berlin zurückzutreten.

Der Eiergang in wenigen Worten: Ein Fotograf schiesst schummrige Fotos, eine Berliner Visagistin erzählt Geschichten, Blick titelt und einen Frühsommer lang rätseln zwei Länder über eine angebliche Liebelei. Verfangen können die Gerüchte nicht. Schmerzensgeld von 1 Mio. Fr. und eine der seltenen Entschuldigungen vom Verlagshaus Ringier sind alles, was am Ende übrig bleibt.

Bald zwei Dekaden ist das her. Ruhig ist es um Borer seither nicht geworden. Kaum ein anderer Alt-Diplomat taucht mit solcher Regelmässigkeit in der Presse auf wie er. Oft sind die Schlagzeilen nicht zu seinen Gunsten. Sein Engagement für die Regierung Kasachstans und die Einflussnahme auf SVP-Nationalrat Christian Miesch brachten ihm 2018 wegen rätselhafter Geldflüsse eine Ermittlung der Bundesanwaltschaft ein.

Und erst vergangenen Monat taten vereinzelte Parlamentarier ihren Unmut kund, weil er als Lobbyist im Auftrag von Boeing offenbar intensiv um ihre Unterstützung für die Super-Hornet-Kampfjets buhlte. Längst hat der 63-Jährige die Kunst der Diplomatie in bare Münze verwandelt. Sein Beratungsunternehmen Dr. Borer Consulting, das er nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst gegründet hatte, beschäftigt rund zwanzig Mitarbeiter. «Der Wert eines Netzwerks ist die einzige Konstante», heisst es auf der Website.

Netzwerk: Es ist Borers grösstes Kapital. Er sei nicht so intelligent, behauptet er ohne erkennbare Ironie von sich. «Aber ich finde intelligentere Mitarbeiter und lasse ihnen viel Freiraum. Und ich weiss, wie man langfristig Beziehungen pflegt. Das habe ich immer gewusst und immer getan.

» Die Bescheidenheit, mit der er sich als «nicht so intelligent» bezeichnet, ist Teil des Spiels. Eine gewisse Herzlichkeit und Charme ebenso. Und Borer beherrscht es. Gewinnt er nicht gerade in Bern Politiker für sich, mischt er bei Übernahmen, Fusionen und Private Equity als Berater mit, sucht für Investoren Unternehmen und umgekehrt. Auch ausserhalb der Schweiz.

In den USA hält er unter anderem Kontakt zu David Rubenstein, dem schwerreichen Gründer des Private-Equity-Riesen Carlyle. Empfiehlt der für einen Deal Thomas Borer aus der Schweiz, hat das Gewicht. Die Vernetzung in den USA reicht weit zurück. Auf die Zeit vor Berlin, als Borer als Leiter der Task Force Schweiz-Zweiter Weltkrieg die Eidgenossenschaft im Konflikt um nachrichtenlose Vermögen von jüdischen Opfern vertrat. 2005 brachte ihn ein Auftrag bis ins Büro des damaligen US-Senators Barack Obama, mit dem er über den Steuerkonflikt sprach.

Borers Kassandrarufe, der Finanzplatz werde unter eine Lawine geraten, verhallten. Ein: «Ich habe es ja gesagt», ist dem gebürtigen Basler heute nicht abzuringen. Warum auch. Ein Diplomat weiss und schweigt. Und Diplomat bleibt er – wenn auch nicht im engeren Sinn.

Nochmals in den öffentlichen Dienst, möglicherweise gar als Politiker, kommt für ihn nicht in Frage. «J’ai donne», sagt er. «Ich hatte zwei wunderbare Karrieren und möchte auf keine verzichten. Und es ist definitiv angenehmer, wenn man nicht jeden Tag in der Zeitung steht.» Stefan Krähenbühl Thomas Borer verkündet 1998 als Leiter der Task Force, dass im Streit um jüdische Vermögen bei Schweizer Banken ein Abkommen erzielt wurde.

Related post

Der Bund vernachlässigt beim Krisenmanagement wichtige Ressourcen aus der Privatwirtschaft

12.01.2021

NZZ

Thomas Borer: «Joe Biden wird die Wahl knapp gewinnen»

04.11.2020

Kath.ch

Der Schweizer Sprachtechnologieanbieter Spitch vervollständigt sein Advisory Board

29. 09.2020

Basler Zeitung

Social Share